Eine Kirche für den "Hammer"
Von Anfang an trug sich der tiefgläubige Gutsbesitzer "Johann Michael Eduard Franz Rath" mit dem Gedanken, für seine Familie und Bediensteten eine kleine Hauskapelle zu errichten. Als er mit seinem Studienfreund, dem damaligen Bischof von Regensburg, Franz Xaver von Schwäbl, darüber sprach, riet dieser ihm zum Bau einer größeren Kirche für die gesamte Bevölkerung.
Aufgrund der schlechten Verbindung sowohl zur Pfarrkirche in Waldthurn, als auch
zur Expositur Neukirchen zu St. Christoph war es den Gläubigen vor allem während
der langen schneereichen Wintermonate oft nicht möglich, einem Gottesdienst
beizuwohnen.
Neben Stiftungen für die Kirche, versprach Bischof Schwäbl, das Gotteshaus
persönlich zu weihen. Man muß wissen, daß zur damaligen Zeit nicht jede Kirche
vom Bischof konsekriert wurde, da allein die Anreise mit Bahn und Kutsche
zeitaufwendig und strapaziös zugleich war.
Eine Konsekration durch den Bischof hatte aber damals wie heute große Bedeutung,
da damit Rechte erworben werden, die eine Kapelle nicht hat. So dürfen
beispielsweise nur in einer vom Bischof geweihten Kirche die heiligen Sakramente
erteilt und das Meßopfer gefeiert werden.
Nachdem mit einem Schreiben vom 31.08.1836 die bauliche Genehmigung durch die
Königliche Regierung vorlag, stand dem Kirchbau nichts mehr im Wege.
Tatsächlich wurde dann in den Jahren 1836/37 statt einer kleinen Hauskapelle
eine Kirche mit Platz für 100 Gläubige erbaut.
Schon am 15. Juli 1837 nahm Bischof Franz Xaver von Schwäbl im Rahmen seiner
Firmreise die feierliche Weihe der Kirche zu Ehren der Mutter Gottes vor, was
eine Konsekrationsurkunde belegt.
Direkter Blick vom Wirtshaus in die Kirche
Beim Bau der Kirche hatten sich zwei bauliche Besonderheiten ergeben. Da die
Kirche auf der Südseite des Herrenhauses als Anbau errichtet wurde, ist es bis
heute möglich vom Dachgeschoß des Wirtshauses von einer verglasten Empore aus
den Gottesdienst zu verfolgen. Von dieser Möglichkeit machte der frühere
Gutsbesitzer Rath mit seiner Familie sehr wohl Gebrauch, nicht zuletzt deswegen,
weil die Empore mittels eines Holzofens beheizbar war. Heute wird die
"Kirchenstube", in welcher um 1890 vorübergehend auch Schule gehalten worden
war, kaum mehr genutzt, schon gar nicht zum Mitverfolgen des Gottesdienstes.
Kirche ein Pfahlbau
Die andere Besonderheit ist, daß der Anbau aufgrund des unmittelbar
angrenzenden Zottbaches - man baute auf Sumpfgebiet - als Pfahlbau auf massiven
Eichenpfählen errichtet werden mußte. Erst im Zuge einer 1960/61 durchgeführten
Renovierung wurde als Hochwasser- und Nässeschutz aus Granitblöcken zusätzlich
eine Bachmauer ausgeführt.
Verschiedenste Baustile
Ansonsten weist die Kirche in ihrer Bauausführung eine Mischung von
klassizistischen und neugotischen Stilelementen auf. Der einfache, saalartige
Kirchenraum mit eingezogenem Chor ist mit einer flachen Decke und seitlichen
Deckenhohlkehlen mit Stuckprofilen überspannt. Der Eingang wird durch den
eingebundenen, turmartigen Glockenträger besonders betont. In einer Nische an der
Turmaußenseite befindet sich eine Statue des Heiligen Christophorus mit dem
Jesuskind. Den Abschluß des zierlichen Kirchturms bildet ein schlichtes
Eisenkreuz.
Altar aus Regensburg
Im Inneren der sonst recht einfach ausgestatteten Kirche verbirgt sich als
besonderes Schmuckstück von hochrangiger Qualität ein Hochaltar, welchen Bischof
Schwäbl anläßlich der Konsekrierung der Kirche stiftete. Laut örtlicher
Überlieferung soll es sich bei diesem reich verzierten Holzaltar aus der
Spätbarockzeit um 1720 um einen von drei Seitenaltären aus dem Regensburger Dom
- König Ludwig I ließ sie um 1834 mitsamt dem Zubehör entfernen - handeln.
Wechselnde Besitzer
Als Erbauer der Kirche gilt der aus Wiesau stammende Franz Michael Eduard
Rath, der 1833 das gesamte Hammergut erwarb. Dem wohlhabenden Gutsbesitzer, der
sich sehr für den "Hammer", beispielsweise für den Bau einer neuen Schule
einsetzte, gehörte das Gut 31 Jahre. Aus wirtschaftlichen Gründen zog dieser mit
seiner Frau Theresia im Jahre 1864 nach München und verkaufte am 30.08.1864 den
gesamten Besitz.
Während Michael Sichert das Triebwerk und Wolfgang Wild die Wirtschaftsgebäude
übernahm, erwarben Josef Wild und dessen Ehefrau Barbara, geb. Stich, das
Wirtshaus mit Nebengebäuden, später auch das Herrenhaus und hierbei als
kostenlose "Dreingabe" die Kirche.
Rath machte beim Verkauf zur Bedingung, daß die Kirche auf ewige Zeiten immer
unentgeltlich weitergegeben wird, was bis heute auch der Fall ist.
Nach dem frühen Tod des Ehemannes heiratete Barbara Wild in zweiter Ehe Michael
Bauer. Dieser wanderte jedoch nach Amerika aus und veräußerte den
heruntergewirtschafteten Besitz am 05.01.1881 an Johann und Anna Gmeiner aus
Spielberg. Die Kirche ging wieder unentgeltlich an den neuen Besitzer über.
Allerdings hatte Bauer im Laufe der Jahre, um seine Schulden begleichen zu
können, Meßgewänder und etliches Zubehör verkauft. Auch viele Unterlagen über
die Erbauung und Einrichtung der Kirche waren zu dieser Zeit verloren gegangen.
Seine Frau Barbara Bauer war in Neuenhammer geblieben und lebte nach Aussagen
von Barbara Maurer im sogenannten "Mühlerl", einem kleinen Häuschen gegenüber
dem Herrenhaus, in Ausnahme. Für ihren Unterhalt sorgte Familie Gmeiner.
Durch Erbfolge ging das Kirchlein im Jahre 1909 zusammen mit dem
gesamten Besitz an Johann Baptist und Margareta Gmeiner, geb. Krug, über.
Deren Tochter Barbara heiratete 1951 Johann Maurer, womit
gleichzeitig der Besitz in die Hände der Familie Maurer gelangte.
Seit 1980 befinden sich nun Haus und Kirche in den Händen des
Sohnes Johann Maurer und dessen Ehefrau Hannelore, geb. Seibert.